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Ein großer Teil unserer Arbeit besteht aus der kulinarischen Marktbeobachtung: Dazu zählen nicht nur Events, Produktneuheiten oder Lokaleröffnungen, sondern vor allem auch Trends. Nicht nur lokal in Mitteleuropa, sondern international. Wir verbringen regelmäßig Zeit  auf Messen (zb. Ende Jänner in San Francisco bei der Fancy Food Show) und Konferenzen, sind in Österreich on tour und recherchieren (natürlich) auch sehr viel online, um uns zu informieren, was es Neues gibt. Besonders inspirierend: innovative Food-Konzepte und Kampagnen und natürlich Produktneuheiten.

Wir möchten in Zukunft regelmäßig über Trends schreiben, die uns besonders aufgefallen sind. Zum Start haben wir für euch unsere Top 10 zusammengefasst.

1) Farm to Table

Ein Trend, der sich aus mehreren zusammensetzt. Einerseits dem Wunsch nach eigenen Lebensmitteln und damit die Sicherheit, wie diese hergestellt wurden (Dünger, …). Dazu kommt auch die neu entdeckte Freude an der Beschäftigung mit Lebensmitteln und wahrscheinlich auch dem Wunsch sich – um der digitalen Welt zu trotzen – auch mal die Hände schmutzig zu machen. Sogenannte „community supported agriculture“ wird uns auch die nächsten Jahre erfreuen, denn gemeinsames Pflegen von Gärten, Feldanteilen, Farmen bzw.  auch die Ernte liegen im Trend. Ich freue mich zB schon sehr auf meine erste Kirschenernte von meinem Bio-Patenbaum. Immer interessanter wird das auch für Eltern, denn die Bedeutung von richtiger Ernährung und auch die entsprechende Erziehung von Kindern in diesem Bereich, sind ein großer Antrieb vom farm to table Trend. Dieser wird sich auch in Lokalen (und Lokalkonzepten) wiederfinden. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die Feldküche in Österreich . Und für die weniger begabten Gärtner gibt es auch immer mehr Angebot an Obst-, Gemüse- und sogar Fleischkistln, die bis vor die Haustüre geliefert werden.

2) Verarbeitung

Hochwertige Lebensmittel wollen auch entsprechend verarbeitet werden. Durch falsche Lagerung, fehlende Konservierungsstoffe oder  Zusätze verderben Lebensmittel schnell. Das führt zu erhöhter  Kreativität im Bereich der Verarbeitung zur längeren Haltbarkeit. Einkochen, einmachen, Chutneys, etc. erleben ein großes Comeback. „Do it Yourself“ ist das Motto und das nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für Lokale, die „Pickeling“ aufgreifen werden, um ihre Gerichte zusätzlich aufzuwerten.

3) Zubereitung

Würzen: Tee wird immer öfter zum Einsatz kommen. Zum Beispiel für Saucen, Marinaden und um Fleisch damit einzureiben. Das wird uns eine ganz neue Geschmackswelt eröffnen und viele inspirieren.

Chamoy Sauce: eine mexikanische Sauce aus Marillen, Limetten, Chili und Gewürzen ist gerade am Sprung in die kulinarische Hitparade in den USA. Wir sind gespannt, ob sie es auch nach Europa schaffen wird.

Auswahl: nicht erst aufgrund vieler Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es immer mehr Alternativen zu den üblichen Verdächtigen. Wir werden in nächster Zeit noch viel mehr von Tapioca, Kamut, Amaranth und Dinkel hören. Genauso wie wir mehr Pasta- und Reisvariationen wie Quinoa bzw. Buchweizennudeln oder Milchalternativen aus Mandeln und Reis auf dem Speiseplan finden werden.

 4) Häppchen, Finderfood, Tappas, Mezze

Riesige Portionen wie in den USA, gab es bei uns ja nie (gut so). Trotzdem wird man auch bei uns in Lokalen immer öfter auch kleinere Portionen als Alternative bestellen können. Dabei geht es nicht nur darum sich nicht zu überessen, sondern auch um das Teilen mit anderen bzw. Ausprobieren von mehreren Speisen. Tapas, Mezze und Co. sind längst nicht mehr nur in „guten“ Lokalen zu finden, sondern auch immer öfter in Gasthäusern und sogar Restaurantketten. Ein Mitgrund dafür: Menschen, die in nackenbeleidigender Pose nach unten gebeugt nicht mehr gewillt sind ihr Smartphone oder Tablet beim Essen aus der Hand zu geben. Das nennt sich übrigens „Distracted Dining“ – ja, es gibt wirklich für alles ein Buzzwort. Für diese ist der Häppchen-Trend eine freudige Nachricht, denn dafür wird man in den seltensten Fällen Besteck oder beide Hände benötigen 😉

 5) Low Tea

Gut passend zu der immer größer werdenden Häppchenauswahl ist auch dieser Trend. Traditionelle Essenzeiten gelten schon lange nicht mehr und viele Menschen essen lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt. Kein Trend ohne Buzzwort: „Low Tea“ ist die Alternative zum traditionellen High Tea und bezeichnet eine kleine, leichte Mahlzeit, die gegen 16.00 Uhr eingenommen bzw. serviert wird. Das passt auch bestens zu Personen, die gerne später brunchen und daher das Mittagessen ausfallen lassen.

6) Information

Immer wichtiger wird natürlich das Thema  „Herkunft der Lebensmittel“. Wir Konsumenten sind dank Internet nicht nur immer besser informiert, sondern verlangen es auch immer mehr Hintergrundinformationen. Dieser Trend wird auch die nächsten Jahre weiterbestehen. Dazu passt, dass  die Kennzeichnungspflicht, die glücklicherweise immer weitere Kreise zieht. Dabei geht es aber inzwischen nicht um um Kalorien oder Allergieauslöser, sondern auch um die Herkunft der Produkte und Verarbeitungsmethoden, die sich immer öfter auch auf den Menükarten von Lokalen finden werden.

Spannend wird es auch für Packaging Designer und Grafiker, die sich dieser Herausforderung stellen dürfen. Besonders interessant wird es auch, wenn es doch mal dazu kommen sollte, das Lokale und Restaurants ausweisen müssen, was tatsächlich vor Ort zubereitet und was fertig gekauft wird. Man wird sehen…

7) Food Investment

Die Finanzwelt zeigt immer mehr Interesse an alternativen und innovativen Lokalkonzepten. Nicht zuletzt aufgrund der Aufwertung von teils leerstehenden Immobilien oder Wohnvierteln (Beispiel: Eataly in New York, das aufgrund hoher Beliebtheit die Mietpreise in der Umgebung hat steigen lassen). Auch der individuelle Charakter von Lokalen wird immer mehr an Bedeutung gewinnen. Genauso wie neue Food-Vermarktungsplattformen: In den USA gibt es bereits eine erste Bewegung weg von Food Courts hin zu „Artisan Food Halls“, durch die der kulinarische Tiefstand von generischen Fast Food Ketten langsam ersetzt wird durch hochwertige, frische Küche mit lokalen Lebensmitteln. Wir freuen uns jedenfalls auf neue Lokale (oder jene, die sich weiterentwickeln und auch Traditonen bewahren), Pop-up Küchen, Food Trucks und hoffen auf mehr Night Markets, die bei uns viel zu selten gibt.

8) One item Lokale

Die Lokalvielfalt wächst. Dabei kommt es zu einem neuen Trend, der sich „Simplicity“ nennt und der sich am deutlichsten in den „one-item“ Lokalen zeigen wird. Also Restaurants/Cafes/Bistros, die sich auf eine Zutat spezialisieren und diese kreativ in Variationen anbieten. Von Burgern, Frühlingsrollen, Karotten bis hin zu Porridge und Hummus wird da noch einiges Spannendes auf uns zukommen. Für alle, die auf der Suche nach einer Idee sind: ein Blick nach Asien kann sehr inspirierend wirken! Ein Beispiel, wie das auch auf ganz hohem Niveau funktionieren kann, ist das Sushirestaurant Sukiyabashi Jiro mit seinen 3 Michelin Sternen geführt von  Jiro Ono in Toyko. Anders als bei vielen anderen japanischen Restaurants gibt es bei ihm nur Sushi – und das in der allerbesten Qualität und über viele Jahre perfektioniert. Einen Einblick gibt die Dokumentation „Jiro Dreams of Sushi“ und wer davon träumt einmal ein Lokal (egal welcher Art) zu führen, der sollte sich diesen hochmotivierenden Film anschauen.

9) Frühstückstrends

Wenn man eine der Frühstückerinnen als partner in crime hat (und die andere als liebe Freundin), dann schaut man sich diese Mahlzeit besonders genau an. Wenig überraschend wird man auch weiterhin auswärts Frühstücken. Nicht zuletzt deswegen, weil immer mehr Familien gemeinsam essen wollen und  Frühstück einfach die kinderfreundlichere Alternative zum Abendessen ist.

Zu den klassischen Frühstückskombinationen kommen in den nächsten Jahren immer mehr Alternativen wie asiatische, spanische, mexikanische Variationen. Shakshuka, Huevos Rancheros, Ashta und Co. werden sich bald auf den Speisekarten tummeln.  Auch mehr Obstangebote, griechische Johgurts und Granolas werden für Abwechslung sorgen. Eiweißomlettes oder alternative Milchsorten wie Soja-, Reis- oder Mandelmilch werden bald ebenso keinen Kellner mehr zum wandelnden Fragezeichen mutieren lassen. Yay!

10) Zurück zum Herd

Und niemanden wird es stören! Wir kochen wieder selber. Passend zum generell steigenden Interesse an Lebensmitteln und deren Verarbeitung werden wir wieder mehr selber Kochen. Im Gegenteil zur (urbanen) Generation davor, die sehr viel Comfortfood bzw. Fertigessen und Tiefkühlkost in der Küche hatte, haben wir wieder Freude an der Zubereitung von frischen Nahrungsmitteln. Es wird alleine, gemeinsam mit dem Partner und mit Kindern gekocht. Dieser Trend führt auch zum Boom von Kochkursangeboten, ob jetzt im real life oder virtuell (siehe auch Danis Selbstversuch), Küchen-Apps und Co-Cooking Spaces. Nicht zuletzt profitieren davon auch Foodblogs, die eine mehr als willkommene Alternative sind zu generisch-faden Rezeptplattformen.

Diese Liste lässt sich unendlich weiterführen…mal sehen was es auf der Fancy Food Show in San Francisco zu sehen gibt und ob es von dort ebenfalls Neues zu berichten geben wird – stay tuned!

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