Innovation, ein viel gebrauchtes aber wenig verstandenes Wort. Auch im kulinarischen Bereich, denn was macht eigentlich Innovation aus? Geht es um die kulinarische Entwicklung eines Landes, dann denkt man automatisch an Skandinavien. Restaurants wie das NOMA sind seit Jahren in den (positiven) Schlagzeilen und werden oft als Vorreiter genannt.

Was macht es aus? Warum gilt die skandinavische Küche als „besonders innovativ“? Darüber kann man wahrscheinlich Bücher füllen – wir möchten gerne einen Aspekt beleuchten, nämlich den der „Neugier“.

René Redzepi und sein Team sind mehr als nur ein Restaurantbetrieb -das hat sich spätestens mit der Gründung des MAD Festivals gezeigt, quasi die TED für Food. Das jährliche Treffen rund um – wie sie selber formulieren: „celebrating the past, present and future of all things food.“ 

Die Idee zu diesem Artikel ist entstanden als vor kurzem die App Periscope an den Start gegangen ist, ein Livestreaming Service, das kürzlich von Twitter gekauft wurde.

Natürlich mussten Dani und ich gleich wissen, was da so passiert, wie man den Dienst nutzt, was man davon hat, wie es im Marketing eingesetzt werden könnte, …. immerhin sind wir ja nicht nur Foodies, sondern auch begeisterte Digital Midlifer (wer zu arbeiten begonnen hat, als es noch Hauspost statt Emails gab, darf sich nicht mehr Digital Native nennen).

Der allererste Periscope Live Stream, den wir uns angeschaut haben, war einer von René Redzepi zum Thema Lebensmittelverschwendung. Seitdem hat er regelmäßig Periscope Streams aus seiner Küche, vom Markt, bei der Zubereitung von Gerichten und von den Straßen Kopenhagens, etc verschickt. Das beste daran war, dass es für uns als Zuseher die Möglichkeit gab (schriftlich in der Periscope App) Fragen zu stellen auf die er dann gleich (mündlich) geantwortet hat. Das hat sich etwas angefühlt, als wäre man selber vor Ort. Und das nicht nur zur Küche, er hat auch sein Team schon den Fragen des Publikums ausgesetzt. Von Warenkunde bis hin zur Zubereitung bis hin zu Sightseeing und Vorträgen – es war schon alles dabei. Und wir (das Publikum) konnten uns mit ihm dazu austauschen.

Nahbar. Direkt. Interaktiv. Persönlich. Auf einem digitalen Kanal, den wahrscheinlich sogar die meisten Digital Natives, Blogger, Techlover etc noch gar nicht selbst erkundet haben. … Natürlich ist es auch Marketing, alles ist Marketing. Aber man muss schon eine spezielle Neugier haben, damit man so schnell gleich einen neuen Dienst ausprobiert. Und das nicht peinlich aufgesetzt, sondern als wäre es schon immer Teil seiner Kommunikation gewesen.

Macht ihn die Nutzung von Periscope zu einem innovativen Restaurantführer? Zu einem besseren Koch? So platt lässt es sich natürlich nicht formulieren, aber es sagt etwas über seinen persönlichen Zugang zu Neuem aus. Und das ist für die Entwicklung von einem Restaurant auch wichtig.

Während viele Lokale noch über Sinnhaftigkeit einer (von benutzerfreundlich reden wir noch gar nicht) Website nachdenken,  gibt es andere deren persönliche Neugier sie alles gleich mal „anfassen“ lässt – ähnlich wie Menschen, die erstmal alles kosten. Aus Neugier. Neugier führt zu Entdeckungen. Und das gilt natürlich nicht nur fürs Web, auch was die Rezepte, die Menükarten, das Plating am Teller, die Produkte (!), das Restaurantdesign oder das Service angeht.

Es gibt viele Lokale, die herrrliche Kreationen zaubern und mit digitalen Dingen nicht viel anfangen können. Das muss auch nicht sein für den letztendlichen Erfolg. Schön ist natürlich trotzdem, wenn es mehr Mut im digitalen Raum gäbe.

Und nein, man braucht sich nicht immer nur im Ausland orientieren, wenn man kreative Kulinarik sucht. Auch heimische Betriebe haben schon gezeigt wie man neue Wege gehen kann ohne Altes zu zerstören, wie zum Beispiel der Taubenkobel mit seinen regionalen Genuss-Luxus-Kreationen.

Wir Coolinaries sind die letzten, die sagen würden „alle brauchen facebook etc“, ganz im Gegenteil, jeder Betrieb soll bitte immer nur die Kommunikationskanäle verwenden, die zu ihm passen und die sie (mit Freude!) bedienen können. Aber etwas mehr (auch digitale) Neugier würden wir uns schon wünschen. Und sei es nur, damit wir mal im Ausland für mehr stehen als nur Sound of Music, Red Bull und Kängurus.

Es tut nämlich nicht alles weh, das gerade hot ist. Und man kann ja alles zumindest einmal kosten (wollen).

Wer mehr über die Verwendung wissen will, liest am besten bei Dani am Blog nach #howtoperiscope.

 

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