Heute wurde auf werbeplanung.at ein Artikel gepostet, der unzählig oft auf meiner Facebook Timeline aufgetaucht ist. Hauptsächlich mit negativen oder hämischen Kommentaren.

Zitiert wird ein Interview mit NÖM Marketingleiter Erik Hofstädter. Wie auch schon vor einigen Jahren spricht er mit wenig der sonst üblichen Euphorie über Online Marketing und den Einsatz von Social Media Kanälen.

Ich habe dazu etwas zu sagen. Nicht unbedingt als Antwort an ihn, sondern an die vielen – meist Onliner – die sich darüber lustigmachen.

Disclaimer: Wir haben nie für NÖM als Agentur gearbeitet, allerdings haben wir im Sommer 2015 für sie einen Workshop geleitet, wo es um Trending Food Themen ging. Außerdem war NÖM 3 Monate zu Gast in der Marktwirtschaft mit ihrem “Stadtmolkerei” Pop-up. Dabei durfte ich Erik und sein Team bzw einige der von NÖM beschäftigten Agenturen kennenlernen.

Womit er meiner Meinung nach Recht hat, zumindest aus heutiger Sicht:

“Facebook ist das einzige Medium in Österreich, das sich für Marken mit Special Interest eignen kann … Andere Social-Media-Netzwerke in Österreich permanent zu betreuen, zahlt sich derzeit einfach nicht aus. Man sollte immer die Kosten-Nutzen-Frage beachten. Somit liegt unser Social-Media-Fokus derzeit nur auf Facebook.”

Das kann ich nur unterschreiben. Wenn es kein Budget gibt, dann bitte nicht 20 Kanäle öffnen. Besser einen (und hier ist nunmal Facebook noch der reichweitenstärkste innerhalb der gewünschten Zielgruppe) Kanal gut leben, als viele schlecht oder mit copy/paste Inhalten. Natürlich muss man sich anschauen, wer die passende Zielgruppe ist für das Produkt und auch das angestrebte Ergebnis, aber wenn das Budget möglichst effizient eingesetzt werden soll, dann passt in diesem Fall Facebook als gewählter sicher gut.

“Heuer wird es wahrscheinlich ein wenig mehr (Budget) sein, weil wir die Content-Qualität noch etwas steigern möchten.”

Top! Eindeutig eine gute Richtung. Viel zu oft wird (auch von den meisten Agenturen) mehr darüber diskutiert, ob ein neuer Kanal eingesetzt wird, anstatt sich zu überlegen “was habe ich eigentlich zu sagen” und ob es dafür auch genügend hochwertigen Content gibt, ganz gleich ob Wort, Bild oder Video.

“Wenn man alle Abos, die ein Konsument heute haben sollte, zusammenzählt mit Musik, TV etc., kommt man inklusive der benötigten Datentarife in einen hohen zweistelligen Euro Bereich pro Monat, und nicht jeder Konsument wird das Geld dafür haben.”

Auch hier kann ich nur zustimmen, es wird nicht für jeden leistbar sein sich sein Fernsehvergnügen  über Onlineanbieter zu holen. Und auch für Streamingdienste muss man sich erst mal auskennen wo und wie – es ist halt nicht jeder super onlinefit und das hat gar nichts mit dem Alter zu tun.

Als Brand wie NÖM mit der Produktpalette, die es aktuell gibt und dem Publikum, das damit angesprochen wird, wäre es fahrlässig TV nicht als wesentlichen Treiber einzusetzen.

“…so gut wie jede Kreativagentur jeden Content online bringen wollte. Egal was gebrieft wurde – Online musste immer dabei sein… Als Kunde erwarte ich mir von der Kreativ- und Mediaagentur, das Bestmögliche an Werbeleistung für mein Investment zu bekommen. Online muss nicht immer dabei sein.”

Nein muss es nicht. Besonders nicht, wenn – und ich kenne das aus eigener Erfahrung – plötzlich jede Agentur, die noch nicht mal irgendwas mit Online zu tun gehabt hat und keinen einzigen Mitarbeiter hat, der privat online liebt (und ja, das braucht man, wenn man gut sein will – Wunderwuzis ausgeschlossen), plötzlich “irgendwas mit Online” einem Kunden verkaufen will. Und dann meistens nicht mal mit soliden Argumenten. Ich kann mir gut vorstellen, dass das einfach unseriös wirkt. 

“… werden nach wie vor sehr viele dieser „Spezialisten“ von den Lead-Agenturen zugebucht, und sie kommen somit nicht in die Position, einen wirklichen Lead in der Kommunikation zu übernehmen – was wiederum, wie eingangs erwähnt, dazu führt, dass Online oft nur ein Add-on der Klassik ist.”

Warum ich weiß, dass das stimmt? Weil wir unzählige Male von den “Lead” Agenturen ins Boot geholt worden für einen Kunden, um den Onlinepart zu übernehmen und fast keine davon Bereit war Online eine Wertigkeit zu geben, auch wenn es durchaus ab und zu Sinn gemacht hätte. Das lag meistens daran, dass sie entweder:

  • das Budget für ihre eigentliche Kernkompetenz einsetzen wollten, was ihnen schamlos wichtiger war, als eine sinnvolle, effiziente Kampagne zu entwicklen oder
  • sich einfach zu unsicher im Onlinebereich gefühlt haben und nicht dauerhaft von Externen abhängig sein wollten.

Es könnte ruhig öfters Mal Vision, Strategie und der effiziente Budgeteinsatz kanalunabhängig für die gewünschte Zielgruppe geplant werden. 

Abschließend muss ich sagen, dass ich im Laufe meiner 17 jährigen Berufserfahrung im Marketingbereich leider viele zweifelhafte Agenturen und Berater erlebt habe. Und wenn jemand wie Erik Hofstädter aus der klassischen Werbewelt, die ihm schon länger vertraut ist, kommt und dazu noch ein in Zahlen, KPIs und Revenue denkender Mensch ist, dann wundert es mich nicht, wenn dieser dann Onlinemarketing gegenüber skeptisch ist.

Es wäre wohl nicht so, wenn er mal eine Agentur treffen würde die einfach mal nicht in Kanälen denkt, sondern in zielgruppengerechten Botschaften. Von Off- & Onlinern gleichermaßen – da darf wahrscheinlich keiner den ersten Stein werfen.

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