Vor einiger Zeit hat sich Quartz ein paar spannende Zahlen vom statistischen Bundesamt der USA angesehen. Dabei zeigt sich, dass 2015 die US Bürger erstmals mehr Geld in Lokalen und Restaurants ausgeben, als in Supermärkten.

Quelle: ATLAS // US Census Bureau

Quelle: ATLAS // US Census Bureau

Die Amerikaner konsumieren damit immer mehr ihres Essens außerhalb der eigenen 4 Wände.

Die tägliche Ernährung aus der Hand zu geben und sich damit den Lokalen (und deren Einkaufspolitik) zu fügen, ist nicht ungefährlich.

Das es in den USA ein breites Problem mit Übergewicht gibt, ist bestimmt kein Zufall. Wie man sich gut vorstellen kann, ist das Essen in Restaurants, Bars und Cafes öfters mit mehr Zucker, Salz und Fett zubereitet als man es selber kochen würde.

Gründe dafür werden viele genannt, ob es das langsame Verschwinden von Jausenbroten oder anderen selbstgemachten (daheim vorbereiteten) Speisen zugunsten von Fast Food, Kantinen, Cafeterias oder Snackbars sind oder die Steigerung von weiblichen Arbeitskräften, die weniger Zeit fürs Kochen verbringen (möchten) oder – und das wäre wirklich sehr traurig – der private Contentwahn der Menschen, die lieber den Salat von Lokal xy posten, als selber einen zu machen. Jeder dieser Gründe wird einen Anteil daran haben.

Was aber die viel spannendere Frage ist: Was bedeutet das langfristig für uns?

Besonders im Hinblick auf die Qualität (und die Herkunft) der Zutaten?

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die Mehrzahl an Gastrobetrieben agieren beim Lebensmitteleinkauf mehr aus finanziellen Motiven und selten aus nachhaltigen – von gesundheitlichen ganz zu schweigen. 

Wenn jetzt aber immer mehr Menschen auswärts essen und damit der Einkaufsanteil von Privatpersonen in die Hände von Betrieben gelegt wird, wie wird das die Herstellung und Produktion von Lebensmittel langfristig beeinflussen?

Wird es genug Lokale geben, die einen ausreichenden Absatz von z.B Biofleisch ermöglichen oder verschwindet alles hinter einem freisprechenden, aber bei weitem nicht idealen österreichischem Gastrosiegel? Reicht es dann nur noch regional zu sein, egal was beim Hersteller mit Tier und Umwelt getrieben wird.

Oder werden sich nach und nach die Konsumenten besinnen und auch in den Gastrobetrieben eine entsprechend nachhaltige Qualität an Lebensmitteln verlangen – und auch entsprechend dafür zahlen.

Und was passiert mit unserer Micro-Esskultur? Welche Auswirkungen hat es, wenn die traditionellen Familiengerichte so immer mehr in Vergessenheit geraden. Genauso wie die familiär anerzogenen Geschmackswahrnehmungen, weil dann Gerichte wie Schnitzel oder Käsnudeln für alle wie im Lokal xy schmecken müssen, um sie als “gut” zu empfinden.

Spannend wäre zu wissen, ob das nur ein regionaler Trend in Übersee ist oder auch bei uns festzustellen wäre, allerdings sind die „aktuellsten“ offiziellen Zahlen leider aus dem Jahr 2010.

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